Zum Tod von Theo Schickle

Pforzheimer Zeitung, 16.10.2000

Griechenland galt seine Liebe

Ein Nachruf? Den hätte er vielleicht gar nicht gewollt. "Ach was", winkte er ab, als er im vergangenen Juli in den Ruhestand verabschiedet wurde. "Du gehst, und du bist sofort vergessen."
   Da hat er sich aber getäuscht! Mucksmäuschenstill war es eine Minute lang, als die versammelte Schülerschaft und das Kollegium des Pforzheimer Reuchlin-Gymnasiums des Mannes gedachten, der am 11.Oktober in einem Athener Krankenhaus an den Folgen einer tückischen Infektion gestorben ist. Die Nachricht vom Tod des beliebten Kunsterziehers Theo Schickle traf alle wie ein Schock.
   1937 in Kieselbronn geboren, aufgewachsen in Singen am Hohentwiel, hatte er, der früh den Vater verloren hatte, sich zunächst zum Grundschullehrer ausbilden lassen, bevor er in Karlsruhe Bildhauerei studierte und dann seine erste Stelle am Kepler-Gymnasium antrat.
   Wohin er kam, stellte er mit Tatkraft und Talent was auf die Beine. Schon als junger Student hatte er 1958/59 einen römischen Gutshof zwischen Kieselbronn und Enzberg ausgegraben; die Funde sind in den archäologischen

Sammlungen der Stadt Pforzheim zu besichtigen.
   Verlockt von seiner Frau, der Griechin Anna Angelis, hatte er von 1974 bis 1981 am deutschen Dörpfeld-Gymnasium in Athen unterrichtet und war nach seiner Rückkehr ans Reuchlin-Gymnasium versetzt worden.
   Seine beiden Fächer, Kunst und Geographie, wusste er dort nicht nur im Unterricht wunderbar zu verbinden. Legendär sind seine zahlreichen Exkursionen nach Griechenland und Rom, die Feste in seinem gastfreundlichen Haus und die alljährlichen Kunstfahrten im Frühling, zu denen sich sein großer Kreis von Freunden und Kollegen von ihm immer wieder gerne verdonnern ließ. Romanische Klöster, gotische Kirchen, barocke Schlösser - alles wusste er auf unnachahmlich gesellige Art kompetent und sinnlich zu vermitteln.
  "Theo", wie ihn auch seine Schüler nennen durften, war ein Original: groß und bärtig, so gutmütig und gelassen wie bärbeißig und grantig, konnte er zur Gaudi seiner Gäste das Alphorn blasen und bei griechischen Tänzen zünftig die Teller am Boden zerschmettern.

   Seinen Ruhestand hatte er herbeigesehnt. Seine Familie, sein Haus im geliebten Griechenland, die Bildhauerei in seinem Kieselbronner Atelier versprachen nach dem Berufsleben eine schöne und erfüllte Zeit. "Ja Sakra!", hätte er geschrieen, wenn ihm bewusst gewesen wäre, wie tragisch kurz ihm diese Frist jetzt werden sollte. Am kommenden Freitag um 13.30 Uhr wird er in Kieselbronn beerdigt.
                            Johannes Halder


Typisch Theo: So sah seine ehemalige Schülerin Steffi Deselaers (Abitur 1987) ihren Kunstlehrer Theo Schickle 1997 zu seinem 60. Geburtstag. Die Schülerin ist heute selbst Kunsterzieherin.

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